Methoden der Raumplanung in der Praxis. Ergebnisse einer bundesweiten Befragung in Raumplanungssituationen
Format: 21,0 x 29,7 cm
Erscheinungsjahr: 2010
In diesem Bericht wird die erste bundesweite Untersuchung zum Einsatzstand von Methoden der Raumplanung in der Praxis vorgelegt. Befragt wurden über 1600 Akteure zum einen aus planenden Verwaltungen (Raumordnung, Landes- und Regionalplanung, Stadtplanung sowie den raumwirksamen Fachplanungen Landschaftsplanung, Verkehrs- und Infrastrukturplanung, Wirtschaftsförderung/Tourismus/Regionalentwicklung), zum andern aus privaten Planungsinstitutionen (Planungsbüros, Consulter, private Entwicklungsträger). Folgende Ergebnisse sind hervorzuheben: Es gibt offensichtliche generelle Defizite in der Methodenkompetenz der Praktiker, allerdings stellt sich das Bild dabei differenziert dar: Die Bekanntheits- und Anwendungsraten der meisten Raumplanungsmethoden liegen bei den weiblichen Befragten höher als bei den männlichen und in den Querschnittsplanungen höher als in den Fachplanungen bzw. im Consultingbereich höher als bei den Planungsbüros. Die Altersgruppe 35–50 weist die höchste Methodenkompetenz auf, die regionalen Unterschiede im Methodeneinsatz sind – abgesehen von einer relativ hohen Methodenkompetenz der Befragten aus Berlin – dagegen gering. Methoden zur Gestaltung kommunikativer Prozesse zwischen Akteuren wie etwa die Moderation erscheinen den Praktikern deutlich attraktiver als die eher traditionellen Bewertungsmethoden wie etwa die Nutzwertanalyse. Ein genereller „Communicative Turn“ im Einsatz von Planungsmethoden unter Aufgabe rationalistischer Bewertungsmethoden kann jedoch aus der Befragung alleine noch nicht abgeleitet werden; auch kommunikative Methoden wie etwa die Zukunftswerkstatt werden z. B. hinsichtlich ihrer Effizienz von den Befragten durchaus kritisch bewertet. Es gibt einen deutlichen Mismatch zwischen den Raumplanungsmethoden, die in den Studiengängen vermittelt werden und den Anforderungen der Praxis. Um diesen zu beseitigen, sollten vor allem folgende Methoden in der zukünftigen Raumplanerausbildung noch deutlich stärker in den Vordergrund gestellt werden als bislang: Planungs- und Projektmanagement, Moderation, Evaluation/Controlling, Verbalargumentative Bewertung, SWOT-Analyse, Kreativitätsmethoden. Zwar sollten diese Anforderungen aus der Planungspraxis nicht unreflektiert in die Ausbildung übersetzt werden. Wohl aber sollten diese Befunde auch Impulse für die forschungsbasierte Weiterentwicklung der Raumplanungsmethoden geben; eine systematischere Kombination unterschiedlicher Methodentypen wäre dabei der wichtigste Ansatzpunkt.